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Geschichte

Man kann Geschichte als Königsdisziplin in Sinne einer Metawissenschaft betrachten, denn letztlich wird alles, sobald es geschehen ist, fortlaufend Geschichte. Wenn wir die Geschichte des Menschen studieren, setzen wir uns letztlich mit seiner Entwicklung in seinen verschiedenen Lebensbereichen auseinander. Was aber der Mensch ist, was ihn auszeichnet, sein Menschsein, erkennen wir vermutlich am besten, wenn wir seine Entwicklung über die Zeit betrachten. Letztlich kann man auch das Wissen des Menschen nur als ein Ergebnis seiner Geschichte verstehen, und die menschliche Existenz ohne ihre historischen Wurzeln wohl überhaupt nicht.

Die zeitgenössischen Aufzeichnungen sind immer noch die wohl wichtigste Quelle der Geschichtswissenschaft. Im Folgenden sind einige Geschichtswerke aufgeführt, die auch heute noch lesenswert sind. Man muss sich aber bewusst sein, dass gerade Geschichtswerke, die mehrere hundert Jahre alt sind, sich dem Leser nicht mehr so ohne weiteres erschliessen. Etwas Geduld bedarf es, damit sich einem diese alte Welt erschliesst, doch lohnt es sich. 


 Ἡρόδοτος (Herodot): ἱστορίαι (Erkundungen)

Um zu sehen, was die Menschen vor zweieinhalb tausend Jahren bewog und wie sie sich ihre damaligen Verhältnisse geschichtlich erklärten, muss man Herodots (ca. 485 v. Chr. - ca. 424 v. Chr.) Erkundungen/Historien zur Hand nehmen. Und es sind wirklich Historien, denn sie enthalten druchaus auch Klatsch der antiken Welt. Der weit gereiste und hoch gelehrte Herodot schrieb auf, was man ihm erzählte, wenn manchmal auch etwas ungläubig. Man könnte Herodot auch der Reiseliteratur zuordnen, doch wird er gemeinhin als Vater der Geschichtsschreibung bezeichnet. Auf Deutsch ist sein Werk etwa als Taschenbuch beim Insel Verlag erschienen: Das Geschichtswerk des Herodot von Halikarnassos, Leipzip 2001.
 


Suetonius, De Vita Caesarum 

In seinem Werk "De Vita Caesarum" behandelt Suetonius (ca. 70 - ca.130) die Kaiser und damit die Geschichte Roms von Juliius Caesar bis Domitian und damit etwas mehr als hundertfünfzig Jahre jener Zeit, in der die Herrschaft Roms ihren Höhepunkt erreichte. Der historische und auch künstlerische Wert des Werks eines Tacitus mag vielleicht grösser sein, aber Sueton ist in der Regel unterhaltsamer, denn er weiss viel aus der Gerüchteküche seiner Zeit, und er geizt mit seinen Kenntnissen auch nicht, was den besondere Reiz seines Werks ausmacht. Römische Geschichte von einem Zeitgenossen pikant, wenn bisweilen auch etwas trocken erzählt.    


 Petrus Abaelardus: Historia calamitatum

Es stellt sich die Frage, ob man die zwischen 1133 und 1135 entstandene "Historia calamitatum" Petrus Abaelardus' (1079-1142) als Briefroman, philosophische Schrift oder als Geschichtswerk erfassen will. Das autobiographische Werk Abaelards ist insofern von wesentlicher historischer Bedeutung, als es jene Zeit der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts schildert, für die wir sonst sonst nur wenige Zeitzeugnisse besitzen. Bemerkenswert ist, dass es damals eine Gebildetenwelt gab, und schon Abaelards Vater die Liebe zu den Wissenschaften entdeckte: "Mein Vater hatte sich etwas mit der Wissenschaft befasst, ehe er den ritterlichen Waffenschmuck angelegt hatte, und später hat er sich der Wissenschaft mit solcher Liebe hingegeben, dass er darauf sah, seine Söhne zuerst wissenschaftlich auszubilden, ehe sie sich im Waffenhandwerk übten". Abaelard reiste später nach Paris, gründete eine Schule und wurde vor allem im Alter von vierzig Jahren auch Lehrer der schönen Heloisa, einer ebenfalls gebildeten jungen Frau, rund zwanzig Jahre jünger als Abaelard. Sie verlieben sich, Heloisa wird schwanger, Abaelard in der Folge entmannt. Dies alles und viel mehr schildert Abaelard in seinem autobiographischen Brief Historia calamitatum, dem ersten Brief aus einem Briefromans, in den sich auch Briefe Heloisas einfügen. Man sollte sich durchaus auch noch an zwei, drei weiteren Briefen versuchen, um zu sehen, ob sie einen ansprechen. Abaelard war ein bemerkenswerter freier Denker und seiner Zeit weit voraus. Im Vorwort zu seinem Werk "Sic et Non" schrieb er: "Durch Zweifeln kommen wir nämlich zur Untersuchung, in der Untersuchung erfassen wir die Wahrheit". Abaelard hatte auch die Vorstellung, dass Angehöriger anderer Religionen ebenfalls das Seelenheil erlangen können, eine Anschauung, welche die katholische Kirche in ihrer Existenz bedrohte. Abaelard hatte auch wenig Verständnis für den Aberglauben, dass ein Unschuldiger, Jesus, mit seinem Blut für eine Sünde habe büssen müssen, die weder er noch die überwältigende Mehrheit der Menschen zu verantworten hatte. Auch wollte Abaelard die verschiedenen Relligionen gegeneinander antreten lassen, damit sie sich ihre Überlieferung gegenseitig zeigten und die Menschen in voller Kenntnis eine vernünftige Wahl der Religion treffen könnten. Es erstaunt nicht, dass solche Auffassungen Abaelard bald Streit mit Papst und Kirche brachten.

 


 Georgios Sphrantzes: Chronicon Minus

Der Grieche Georgios Sphrantzes (1401-ca.1479) ist über sein "Chronicon Minus" ein wichtiger Zeuge für das Leben und die Ereignisse zu seiner Zeit. Vor allem ist er auch Augenzeuge der Belagerung und Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahr 1453. Seine Chronik wird häufig auch auszugsweise veröffentlicht, vor allem sein Augenzeugenbericht zur Eroberung Konstantinopels. Beim Styria Verlag ist etwa folgende schöne Ausgabe erschienen: Die letzten Tage von Konstantinopel. Der Augenzeugenbericht des Georgios Sphrantzes, Graz, Wien & Köln 1973.

 


Philippe de Commynes: Mémoires 

Wenn Philippe de Commynes(ca. 1444-1511) in seinen "Mémoires" über sein Zeit schrieb, dann konnte er aus dem Vollen schöpfen. Zuerst stand er in den Diensten Karls des Kühnen von Burgund, der bekanntlich drei Mal gegen die Eidgenossen antrat, und alle drei Schlachten verlor, zuerst Grandson, dann Murten und schliesslich Nancy, wo er selbst umkam. Commynes wechselte aber schon vor dem Niedergang Karls des Kühnen die Seiten und wurde Berater König Ludwigs XI. von Frankreich, erbitterter Widersacher des burgundischen Herzogs Karl. Commynes blieb bis zum Tod König Ludwigs XI. einer der wichtisten königlichen Rät. Er beriet auch dessen Nachfolger König Karl VIII. und König Ludwig XII., doch bisweilen geriet er bei diesen in Ungunst und nie mehr war sein Einfluss so gross wie in den letzten Lebensjahren König Ludwigs XI. Hier schreibt ein Mensch, der im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit steht, und was er schrebt ist eines der spannendsten und bemerkenswertesten Werke der historischen Literatur, Geschichtsquelle und persönliches Zeugnis zugleich. Der erste Teil seiner Memoiren entstand 1489-1491, der zweite Teil 1497/98.

Auf Deutsch sind kaum gute Ausgaben des Werkes erhältlich. So sind die Memoiren z.B. beim Georg Müller Verlag erschienen: Die Denkwürdigkeiten Philipps von Commynes, München 1920. Diese Ausgabe ist vermutlich die beste auf Deutsch, vermag aber auch nicht vollständig zu überzeugen. Ausserdem liest sich die Übersetzung etwas schwerfällig. Auf Französisch ist eine ausgezeichnete Ausgabe beim Pocket Verlag erschienen, Philippe de Commynes, Mémoires, Paris 2004, bei der auch Commynes' altfranzösische Sprache leicht modernisiert wurde, was das Werk dem heutigen Leser zugänglicher macht. Es bleibt zu hoffen, dass vielleicht aus Anlass des fünfhundersten Todesjahres (2011) einmal auch auf Deutsch eine gute und zuverlässige Ausgabe von Commynes' Memoiren erscheint. Vielleicht nimmt sich ja der Manesse Verlag einst dieses grossartigen und auch für die Schweizer Geschichte bedeutsamen geschichtlichen, literarischen und staatsphilosophischen Werkes an.

 


Francesco Guicciardini: La Historia d'Italia

Francesco Guicciardini (1483-1540) war Florentiner und nahm als Berater von drei Päpsten wesentliich am politischen Leben seiner Zeit teil. Als er 1537 in Ungnade fiel, zog er sich auf sein Landhaus bei Arcetri zurück und begann seine Arbeit an seinem Hauptwerk, der "Historia d''Italia" oder auch "Storia d'Italia", an dem er bis zu seinem Tod im Jahr 1540 arbeitete. Darin erzählt Guicciardini nicht nur die Geschichte Italiens, sondern zudem jene der umliegenden Länder während der auch für die Eidgenossenschaft bedeutsamen Zeit von 1492 bis 1534. Dieses erstmals 1561 im Druck erschienene Werk zeichet Guicciardini als einen der ersten modernen Geschichtsgelehrten aus und ist eine wichtige Quelle der Ereignisse jener Zeit. Auf Französisch ist das Werk in zwei Bänden bei Robert Laffont erschienen: Francesco Guicciardini, Histoire d'Italie (1492-1534), Paris 1996. Ein schöner Auszug aus dem Werk ist auf Englisch erschienen bei The Macmillan Company als: Francesco Guicciardini, The History of Italy, Translated etc. by Sydney Alexander, New York 1969. Ausserdem ist zu Guicciardinie eine sehr gute Biographie von Roberto Ridolfi erschienen, die auch auf Englisch 1967 bei Routledge and Kegan Paul in London erschien.    


Winston Churchill: The Second World War

Winston Churchill (1874-1965) war nicht nur Objekt, sondern Subjekt jenes Abschnitts der Menschheitsgeschichte, das er in diesem Werk beschrieb. Nicht nur, aber insbesondere für dieses sechsbändige 1948-53 entstandene Werk "The Second World War" hat Churchill 1953 den Nobelpreis für Literatur erhalten. Wer sich für die Geschichte des Zweiten Weltkrieges interessiert, kommt an diesem Werk nicht vorbei.

 

 

 

 

 

 

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